Ein Männlein steht im Walde- Die Hagebutte

Die Hagebutte gehört zur großen Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Ein Strauch kann bis zu 5 hoch werden und trägt an seinen stachelbesetzen, überhängenden Ästen, unpaarig gefiederte Blätter. Die hellrosa bis weißen Blüten haben 5 Blütenblätter, was typisch ist für Rosengewächse. Sie sind ungefüllt und duften nicht.
Die im Spätsommer reifenden leuchtendroten Hagebuttenfrüchte, botanisch als ....
Scheinfrucht bezeichnet, haben ein „schwarz Käpplein auf ihrem Haupte.Das bekannte Kinderlied von Hoffmann von Fallersleben meint damit die vertrockneten Blütenblätter, die wie eine kleine Zipfelmütze auf der Frucht sitzen. Im Inneren der Hagebutten sind die eigentlichen Früchte, die kleinen steinharten Nüsschen umgeben von Borstenhaaren, die man auch als Juckpulver kennt. Der botanische Name der Hagebutte oder Hundsrose, Rosa canina, ist im Sinne von gewöhnlich oder allgemein zu verstehen. Canina heißt im lateinischen „Hund“ und will damit den Unterschied zur edlen Kulturrose unterstreichen.
Hagebutten brauchen sich allerdings nicht zu verstecken, im Gegenteil sie sind wieder im Kommen. Mit ihren fruchtigen Geruch und dem süß saureren Geschmack sind sie ein gesundes heimisches Angebot für den Speisezettel. Sie enthalten reichlich Vitamin C, Mineralstoffe, Flavonoide, Anthocyane und Gerbstoffe. Historisch betrachtet reicht ihre medizinische Verwendung bis in die Antike zurück. Die positive Wirkung auf das Immunsystem macht die Hagebutte zum Mittel der Wahl bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten und zur vorbeugenden Steigerung der Abwehrkräfte. Die Volksheilkunde bedient sich der Hagebutte auch bei Harnwegsinfekten und als leicht abführendes Mittel bei Magen-Darmverstimmungen. Neuere Untersuchungen haben eine erstaunliche schmerzlindernde Wirkung bei Arthrosebedingten Symptomen der Hagebutten gezeigt. Dabei kommt die ganze Hagebutte pulverisiert zum Einsatz. Interessant ist, dass in heutiger Zeit immer wieder neue Wirkungsebenen in der Pflanzenheilkunde entdeckt werden, die neue Perspektiven eröffnen.
Der besten Erntezeitpunkt der Hagebutten ist, nicht wie bei anderen Wildfrüchten wenn Frost darüber gegangen ist, sondern schon im Spätsommer oder früher Herbst, sobald die Früchte reif und rot geworden, aber auch noch hart sind. Dann haben sie am meisten Vitamin C. Für einen Hagebuttentee können die Früchte ganz gelassen werden. Auch für den Wintervorrat können sie mit den Schalen getrocknet werden. Über Nacht werden dann 2-3 Teelöffel Früchte mit einen Viertel Liter Wasser eingeweicht und am anderen Tag aufgekocht und abgegossen. Mit Honig gesüßt, je nach Geschmack empfiehlt die Volksheilkunde mehrmals täglich eine Tasse zur Stärkung der Abwehrkräfte. 
Für die Küche ist die Hagebutte eine besondere Delikatesse als Mus, Marmelade, Gelee, als Likör und Wein, in Früchteessig oder in Gemüsesuppen.
Möchte man Mus oder Hägenmark gewinnen, muss man sich die Mühe machen und die Hagebutten aufschneiden. Die „Kernle“ werden herausgeholt und die Früchte gewaschen damit die feinen Härchen gelöst werden. In Apfelsaft weichgekocht und mit dem Pürierstab gemixt lässt sich das Mark gut eingefrieren. Doch am besten man genießt es frisch, mit Honig gesüßt, aufs Brot oder unter Joghurt oder Quark gemischt. Mehr Ertrag bringen die großen Früchte der Kartoffelrose, Rose rugosa, die genauso verwendet werden können. Aus den gewonnen Kernle kann man einen Kernles-Tee machen. Dafür werden sie in kaltem Wasser aufgesetzt und 10 Minuten gekocht. Erst dann kommt ihr Duft nach Vanille zum Vorschein. Getrocknet eigenen sich die Kernle als Wintervorrat für Tee oder im Kernle-Kissen für den Nacken.
In der Hecke oder dem Hag dienten Hagebutten ab dem 6./7. Jahrhundert zusammen mit anderen Wildsträuchern wie Weißdorn oder Schlehe als natürlicher Zaun für Dorf und Vieh. Hecken umfriedeten den Besitz, wehrten unliebsame Eindringlingen ab, schützten die Böden vor Erosion durch Wind und gaben Nützlinge wie Vögeln, kleine Säugetieren und Insekten Unterschlupf. Für den Menschen bot die Hecke zahlreiche wichtige Vorratsquellen. Zu den vielen Wildfrüchten boten sich rund um die Hecken Heilkräuter, Wildgemüse und Holz zur Verwendung an. Der hohe Stellenwert dieser Hecken drückte sich im Beruf des Heckenmeisters aus. Dieser eigens dafür zuständige, hoch angesehene Berufsstand, kümmerte sich um die Pflege des schützenden Walls. Durch sinnvollen Rückschnitt oder Setzen neuer Sträucher wurde auf eine lückenlose Hecke größten Wert gelegt. Heute sind Hecken in der Natur selten geworden, deshalb machen sie im naturnahen Garten mehr denn je ihren Sinn. Einerseits spendet sie Schatten und schützt vor neugierigen Blicken oder Fallwinden, andererseits sind die gesunden Früchte, die vor der Tür wachsen sind gleich mit inbegriffen. Auch für Naturkränze oder Gestecke eigenen sich die Zweige mit ihren Früchten bestens.
Rezept: „Essig-Sommerernte“
Zutaten: 1 Literflasche mit einer großen Öffnung, 1 l Apfelessig, verschiedene Wild- und Gartenfrüchte wie Hagebutten, Schlehen, Weißdorn, Holzapfel, Zwiebeln, 1 Knoblauchzehe, einige Wachholderbeeren. Kräuter nach Geschmack z.B. Thymian, Bohnenkraut, Majoran.
Je nach Vorliebe ohne Zucker oder mit 40 g Kandiszucker oder 3 Eßl. Honig süßen.
Zubereitung: Die Früchte waschen und in eine Weithalsflasche füllen, große Früchte, Knoblauch und Zwiebeln vorher klein schneiden. Kräuter und Gewürze zugeben und mit Essig auffüllen. Die Früchte und Kräuter müssen gänzlich mit Essig bedeckt sein, sonst können sie schimmeln. 4- 6 Wochen stehen lassen, ab und zu schütteln, danach abfiltern und in dekorative Flaschen füllen.
Tipp: Sehr dekorativ sehen einige schöne „Früchtchen“ in der Flasche belassen aus.
Monika Wurft Schiltach
