Von Rosenstolz und Wiesenköniginnen "Mädesüß"

Während die Rosenblüte in den Gärten den Zenit schon überschritten hat, setzt sich ein anderes Rosengewächs, das Mädesüß, derzeit in den Wiesen in Szene.

Kräuterpädagogin und Schwarzwald-Guide Monika Wurft aus Schiltach lenkt den Blick aufs Detail

Erinnerung an jenen Reim aus dem Poesiealbum unserer Kindertage werden in dieser Zeit des Jahres wach,  nämlich dem „..von der stolzen Rose, die immer bewundert will sein“. Ja, stolz sieht sie wirklich aus, die Rose und man erahnt für einen Moment, dass sie sich ihrer Schönheit durchaus bewusst ist.
Stolz und voller Bewunderung für ihr Blütenkunstwerk sind auch diejenigen, die eine Rose in ihrem Garten blühen sehen.
Selbst Goethe hat sie die „Königin und Allerschönste im Blumenreich“ genannt. Wenn die stolze Rose dann, an einem warmen Sonnentag, ihren Duft im Garten verteilt, packt uns vollends die Leidenschaft für Rosengewächse und es ist an der Zeit den Blick über den Gartenzaun schweifen zu lassen.

Süße des Honigweins

Dort drüben auf der feuchten Wiese, ein andere Schönheit grüßt, wunderbar cremeweiß blühend und stark duftend, zu uns herüber. Ihre Blüten thronen, in der typischen Hochstaudenflur dieser Jahreszeit, majestätisch über den Wiesengräsern und man versteht ganz plötzlich warum sie „Wiesenkönigin“ genannt wird, ein weitere Königin unter den Rosengewächsen (Fam. Rosaceae). Zahlreichen andere Namen kann man hören, wird sie in manchen Gegenden doch als Spierstaude, Geißleiterle, Rüsterstaude, oder eben Wiesenkönigin genannt; am bekanntesten ist sie jedoch mit Sicherheit unter dem Namen Mädesüß (Filipendula ulmaria).

Früher wurde die mandelartig duftende, gerbstoffhaltige Pflanze, dem Met, eines der ältesten alkoholischen Getränke, als Aromaticum und zur besseren Haltbarmachung zugesetzt. Der Name Mädesüß hat also mit süßem Mädchen nichts zu tun, eher lässt er sich vom altdeutschen Wort Met ableiten im Sinne von „Met-Süße“.
Mit ihrer stattlichen Größe, 1,5 bis 2 Meter hoch kann sie werden, spielte die zarte Schönheit dieser Pflanze schon immer eine zentrale Rolle im Kräuterstrauß, der zu Maria Lichtmess gebunden wird. Je nach Gegend blüht sie von Juni bis August und bereits Königin Elisabeth I. von England, soll die „Königin der Wiese“ wegen ihres süßherben Duftes zum Aromatisieren ihrer Zimmer, wohl aber auch wegen ihrer antiseptischen Wirkung, bevorzugt haben.

Spätestens hier geht der Blick über die Schönheit der Pflanze hinaus und eine Heilpflanze präsentiert uns ihre interessante Geschichte. Mädesüß gilt, neben der Weidenrinde, als pflanzliches Aspirin und nimmt deshalb in der Volksheilkunde ihren Platz bei Erkältungskrankheiten, Blasenbeschwerden, Kopfschmerzen und rheumatischen Beschwerden ein. Verwendet werden die rispigen Mädesüß- Blütenstände (Spiraeae flos), sowie die wechselständig angeordneten, gefiederten Mädesüßblätter (Spiraeae herba), mit ihren, für Rosengewächse, typischen Nebenblättern. Hier werden Zubereitungen in Form von Tee oder Tinktur empfohlen, um die ätherischen Öle mit der Hauptkomponente Salicylaldehyd in ihrer Wirkung zu entfalten.
Bei einem besonders tiefen Blick zur Samenreife, wird ein anderer Namen des Mädesüß‘, die Spierstaude, schnell verständlich. Abgeleitet vom lateinischen Namen spira = Spirale, zeigen sich die spiraligen, bis zu 3 mm großen, so genannten Nussfrüchte, dafür verantwortlich.

Im Garten ansiedeln
Vom Sommerduft und Rosen-Stolz nun vollends überwältigt und erlaubt man der Wiesenkönig nun gerne sich im Garten anzusiedeln. Ein paar Samen im Spätsommer von der Pflanze abgestreift, tun in den Randzonen einer Wasserfläche oder auf einer feuchteren Wiese ein Übriges. Oder man macht sich auf den Weg, um einige Pflanzen in einer Gärtnerei zu kaufen, die sich auf Wildpflanzen spezialisiert hat. Insekten, Faltern und verschiedensten Vogelarten wird es gefallen, für diese ist der neue Gartenbewohner eine wichtige Nahrungspflanze.

Mädesüß kulinarisch genießen
Jetzt rückt ein weiterer besonderer Aspekt ins Bewusstsein, denn mit dem Einzug der Wiesenkönig in unseren Garten, ist der Schritt zum kulinarischen Genuss nicht mehr weit und das Ausprobieren kann beginnen.
Viel Spaß!

Mädesüß-Sahne:
Zutaten: 5-6 Blütenstände vom Mädesüß, 200 ml Sahne,1-2 TL Honig oder etwas Zucker
Die Blütenstände ca. 15 Minuten auf einem Tuch ausbreiten, damit sich alle Insekten entfernen können. Danach die Blüten in der Sahne aufkochen, abkühlen lassen und durch ein Sieb gießen. Diese Sahne für mehrere Stunden im Kühlschrank kalt stellen und dann in einer gekühlten Schüssel steif schlagen. Mit Honig oder etwas Zucker süßen und zu Eis, Kuchen, Obstsalat.. servieren.

Sommerduft- Blüten-Trunk:
Verschiedene Blüten - gemischt oder einzeln, - von Mädesüß und Rose, Wiesenklee bis zum Schwarzen Holunder werden, in einem mit Wasser gefüllten Glaskrug, einige Stunden stehen lassen, evtl. auch in der Sonne.
Danach siebt man die Blüten ab und verfeinert das Getränk mit etwas Zitronensaft und Rosensirup, ganz nach Geschmack. Zum Dekorieren einige frische Blüten ins Glas geben und genießen!

Text und Bilder © Monika Wurft

© Bauerngarten- und Wildkräuterland Baden e.V.