Tanz des Spätsommers "Brennnesseln"

Brennnesseln lösen bei den meisten von uns keine Begeisterungs-, höchstens Schmerzensrufe aus. Doch jetzt im Spätsommer lohnt ein genauerer Blick in die Botanik und Heilwirkung des sehr verbreiteten Krauts. 

"Brennnessel verkanntes Kräutlein dich will ich preisen…“so beginnt ein Gedicht über die brennende Nessel und ihre Vorzüge von Hoffmann von Fallersleben.

Zuerst ist man etwas irritiert, die Vorzüge der Brennnessel sollen auch noch gepriesen werden? Doch, hat sich nicht die Mutter oder Großmutter schon immer im Frühjahr eine Brennnessel Tee- Kur gegönnt? Probiert hat man das hellgrüne Getränk als Kind vielleicht. Dann haben sich der feine Duft, sowie der milde, erdige Geschmack eingeprägt.
Auch vom Brennnesselspinat hat man aus dieser Zeit vielleicht schon einmal gehört. Doch Spinat ist nicht jedermanns Sache und so ist das Interesse beim einen oder anderen schnell wieder verflogen.

Wenn da nicht dieses Gedicht wäre ...“Brennnessel, verkanntes Kräuterlein…“
Es lohnt durchaus, sich einmal mit der Großen Brennnessel, botanisch, Urtica dioica, die dazu noch der ihr eigenen Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae) angehört, näher zu befassen.
 

Stolz am Wegesrand

Denn gerade jetzt im Spätsommer zeigt sie sich uns von einer ihrer schönsten Seiten. Steht sie doch stolz am Wegesrand, ihre spitzen Blätter ausgebreitet wie kleine Röckchen und ist mit ihrer stattlichen Größe von bis zu 1,50 m nicht zu übersehen. Unter den Blättern sind ihre unverzweigten, vierkantigen Stängel angefüllt mit bis zu 10 cm langen Blütenrispen, die sich wie anmutige Beine einer Tänzerin im Wind wiegen.

Wenn uns das Glück einer tief stehenden Sonne mit diesem zarten Eindruck eines Sommertanzes belohnt, dann ist das Interesse für eine der ältesten Heilpflanzen geweckt.

Unter anderen Namen wie Nessel, Donnernessel, Hanfnessel ebenso bekannt, hat sie sich einen großen Namen in der Volksheilkunde
durch die Vielzahl ihrer Inhaltstoffe gemacht: Vitamine, Mineralstoffe, Flavonoide bis zur Kieselsäure, um nur einige zu nennen.

Innerlich regt die Blattdroge der Brennnessel den gesamten Stoffwechsel an, stärkt das Immunsystem und kommt bei Gelenkerkrankungen, Entzündungen der Harnwege und bei Hautkrankheiten zum Einsatz. Äußerlich findet sie ihre volksheilkundliche Verwendung in der Wundbehandlung, bei Furunkeln, leichten Verbrennungen und Sonnenbrand.

Folgendes Rezept zur Teezubereitung wird im Allgemeinen in der Volksheilkunde empfohlen:
2 gehäufte Teelöffel Blätter (Urticae folium und Urticae herba) mit einem Viertel Liter kochendem Wasser
übergießen, fünf Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Höchstens 4 Wochen lang morgens und abends 1 Tasse trinken.

Wer sich mit biologischen Gartenbau beschäftig ist natürlich längst mit dem vitalen Brennnesselgewächs in Kontakt gekommen. Eine Jauche löst den Stickstoff der Brennnessel sowie Spurenelemente heraus und hat dadurch hervorragende Düngewirkung. Die anfallenden Reste können im Kompost optimal verwertet werden.
Als Mulch zwischen Zier- und Nutzpflanzen gelegt verhindern die, sich langsam zersetzenden Blätter die Austrocknung des Bodens und dienen gleichzeitig der Humusanreicherung. Ebenso gut wirkt sie auch als Kaltauszug, bei beißenden und saugenden Insekten, die unseren Kulturpflanzen das Leben schwer machen können, wie etwa Läuse an Rosen. Die Rose wird durch die in der Brennnessel einhaltende, Kieselsäure gestärkt und die natürlichen Gegenspieler wie z.B. Marienkäfer können ihren Teil der Arbeit ebenfalls gestärkt übernehmen, ohne dass mit chemischer Keule ins Ökosystem eingegriffen wurde.
Darüber hinaus sind die so behandelten Pflanzen auch voll in der Küche einsetzbar.

Doch ein weiterer Aspekt unser Natur und Landschaft darf hier nicht unerwähnt bleiben: Brennnesselgewächse sind eine beliebte Nahrungspflanze für die Raupen zahlreicher Schmetterlinge. Ob Pfauenaugen, Kleiner Fuchs, Admiral- die Schmetterlinge sind die Seele unserer Landschaft. Denn wo kein Schmetterling mehr flattert, herrscht tiefes Schweigen im Ökosystem. Die Begriffe Biodiversität und Biotopvernetzung sind für uns Menschen wichtig, da wir Vielfalt für unsere Zukunft brachen.

Zeit des Naschens
 

Zurück zum Spätsommer, dieser Zeit des Blühens und Reifens überall um uns herum. Auch die Brennnessel bietet sich uns nun zur Ernte an, können wir doch die Früchte der weiblichen Pflanze, als feines Schmankerl auf einer Wanderung gleich ausprobieren. Dabei ist das Wissen um die Zweihäusigkeit der Brennnessel wichtig, der Artname Dioica steht dabei für diözisch, was zweihäusig bedeutet. Gibt es doch männliche und weibliche Pflanzen und nur die weibliche hat die 1 mm kleinen, grünen, später dunkelbraunen Früchte, die als Nüsschen bezeichnet werden. Nussig schmecken sie allemal und sie locken immer wieder Rufe der Bewunderung aus, wenn sie pur oder aufs mitgebrachte Butterbrot gestreut erschmeckt werden.

In der Kräuterküche haben die zarten Brennnesselspitzen vom zeitigen Frühjahr ihren festen Platz als Wildgemüse, ob roh, oder gegart. Auch in der gehobenen Gastronomie hat man die Brennnessel längst für sich entdeckt und sie zu neuen kulinarischen Höhepunkten gebracht -  hat sie doch die zehnfache Menge an Vitamin C zu bieten als ein kultivierter Kopfsalat. Dabei kommt eine weitere Seite ihrer Kraft zum Ausdruck, nämlich die von der „Nahrung, die unser Heilmittel sein soll“!

 

Süppchen

von der Nessel

Ein Küchenklassiker ist das feine Brennnesselsüppchen
Als Zutaten nehmen sie: 200 g Brennnesselblätter,
1 Zwiebel, 2 gelbe Rüben, 1 Kartoffel, Gemüsebrühe
Zubereitung: Das gewaschenes und geputztes Gemüse klein schneiden,
in etwas Öl andünsten,
ablöschen und weich kochen. In die nicht mehr kochende Suppe die kleingeschnittenen Brennnessel-Blätter geben, etwas ziehen lassen und dann mit dem Pürierstab mixen. Das Ganze mit Salz und einem Schuss Sahne abschmecken. Mit Blüten je nach Jahreszeit z.B. von Gänseblümchen oder Margerite
dekorieren und mit einem Häubchen Creme fraiche servieren.

Wenn`s brennt

Dass zuviel Nähe zu dieser Nessel brennen kann, weiß jedes Kind. In ihrem Gattungsname Urtica drückt sich das schon aus. Er leitet sich vom lateinischen Namen urere = brennen ab. Bei Kontakt mit ihren Brennhaaren können diese abbrechen, die Haut anritzen und die verletzte Haut bekommt Kontakt mit der darin enthaltenen Mischung aus Ameisensäure und Histamin, welche die Quaddelbildung auslöst. Doch auch dagegen ist ein Kraut gewachsen: Mit dem frischen Saft eines Spitzwegerich Blattes betupft ist das Brennen bald vergessen.

Brennnessel, verkanntes Kräutlein

Brennnessel, verkanntes Kräutlein, Dich muss ich preisen,
Dein herrlich Grün in bester Form baut Eisen,
Kalk, Kali, Phosphor, alle hohen Werte,
Entsprießend aus dem Schoß der Mutter Erde,
Nach ihnen nur brauchst Du Dich hinzubücken,
Die Sprossen für des Leibes Wohl zu pflücken,
Als Saft, Gemüse oder Tee sie zu genießen,
Das, was umsonst gedeiht in Wald, auf Pfad und Wiesen,
Selbst in noch dürft´ger Großstadt nahe Dir am Wegesrande,
Nimms hin, was rein und unverfälscht die gütige Natur
Dir heilsam liebend schenkt auf ihrer Segensspur!

 

© Text und Bilder Monika Wurft Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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