Von Gundermann und Gundelrebe

"Guck durch den Zaun"

Von zwergenhafter Gestalt, aber bei uns fast überall zu finden, ist der Gundermann, auch Gundelrebe genannt. Neben der Heilwirkung ist das Kraut sehr dekorativ und lässt sich vor allem süß verwenden.Gundermannbluete
Auf den ersten Blick etwas unscheinbar und von zwergenhafter Gestalt kommt Frau Gundelrebe, aus Gründen der Gleichberichtigung, auch bekannt als Herr Gundermann, schon daher. Doch allgegenwärtig und treffend charakterisiert ist dieses duftende, die Wiesen durchwebende Kräuterlein, mit seinen weiteren Namen wie „Guck durch den Zaun“ „Erdefeu“ oder „Soldatenpetersilie“.

Wer einmal ein Auge auf die herzförmigen, gekerbten Blättchen und die kleinen blau- violetten Blüten geworfen hat, wird diese Pflanze plötzlich überall finden. Denn sie wächst auf ihre besondere Art über andere Pflanzen hinweg, durch Zäune durch und ist, zum Teil flächendeckend, fast zu jeder Jahreszeit zu finden. Vorallem an schattigen Stellen entwickelt sie sehr große Blätter und an ihren vierkantigen langen Stängeln wachsen Wurzeln aus jeder Blattachsel. Diese besonderen Merkmale, so wie ihr würziger Duft, macht dieses Allerweltskraut unverwechselbar. Gibt es doch gewisse, rein äußerliche Ähnlichkeiten mit der Knoblauchsrauke, der Nelkenwurz und der Roten Taubnessel. Die jedoch alle ebenso genießbar sind, wie der zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) gehörende Gundermann, botanisch Glechoma hederacea. In seinem Namen offenbart sich auch das Heilpflanzenwissen. Stammt das Wortteil „gunt“ doch aus dem Althochdeutschen und steht für das Wort Eiter. Die Gundelrebe, als Heilpflanze schon den Germanen bekannt, wird bis heute in der Volksheilkunde bei schlecht heilenden Wunden und Hautausschlägen, aber auch zum Gurgeln bei Halsentzündungen und innerlich bei Magenbeschwerden verwendet. In der Volksheilkunde hat sich die direkte Auflage der zerrieben Blätter auf die betroffenen Hautstellen überliefert.
Zur inneren Anwendung empfiehlt sie einen Teeauszug.
Dazu werden 1-2 Teelöffel Gundermannblätter mit ¼ l kochendem Wasser übergossen. Nach 5 Minuten gießt man diesen Aufguss ab und trinkt bei Bedarf 1 Tasse, oder kurmäßig 2mal täglich 1 Tasse.

Ihr botanischer Name - Glechoma hederacea ist etwas geheimnisumwittert. Hier wird vermutet, dass das Wort Glechoma in der Antike einen Bezug zur Poleiminze hatte und hederacea steht für efeublättrig, was sich auf die Blatt- und Wuchsform zurückführen lässt.
Die Namen Soldatenpetersilie, oder auch Waldpetersilie weisen auf die inneren Werte des duftenden Bodendeckers hin. Sind es doch neben Gerbstoffen, Bitterstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen vorallem die ätherischen Öle, die den Gundermann als Würze zum Nulltarif so interessant machen.

Seine kulinarische Verwendung ist die eines Würzkrauts zusammen mit anderen Kräutern wie zum Beispiel Schafgarbe, Brennnessel und Gänseblümchen. So kommt er im Salat, Kräuterquark und Kräutersalz bis hin zur Neunkräutersuppe am Gründonnerstag zur Geltung. In Teemischung, als Würze im Kartoffelsalat oder einer Kartoffelsuppe kommt sein Duft ebenso gut an.

Vorallem jedoch findet die Gundelrebe in der süßen Kräuterküche ihren Platz. Ihr Duft ist einerseits sehr speziell und wird doch gerne mit der Minze in Verbindung gebracht. Eine Sahne mit Gundermannblättchen gewürzt verleiht jeder Nachspeise eine besondere Note.
Wahre Stürme der Begeisterung und Überraschung ruft man bei seinen Gästen mit folgendem Rezept hervor:

Wiesenkonfekt:Wiesenkonfekt

Dazu nimmt man 1 Handvoll Gundermannblättchen, aber auch Pfefferminze oder Fichtenspitzen. Etwas bittere Schokolade im Wasserbad schmelzen und die Blättchen durch die Schokolade ziehen, dabei am Stängel anpacken. Danach zum Trocken auf einem Pergamentpapier auslegen.
Tipp: Eine wunderschöne und schmackhafte Dekoration zu Eis, Kuchen und anderen Süßspeisen. Schmeckt auch tiefgekühlt sehr lecker.

Duftende Kräuter spielten im Mittelalter als Pflanzen des Aberglaubens schon immer eine große Rolle. Die Gundelrebe war den Germanen heilig, weil sich unter ihrem Schutz gern mit dem Hof verbundene gute Geister aufhielten. Deshalb wurden Sträußchen oder Kränze aus Gundermann aufgehängt um Vieh und Mensch vor Schaden durch Blitzschlag und Krankheit zu bewahren. Um die Gundelrebe rankten sich sehr spezielle Schutzrituale für das Vieh. Im Frühling, wenn die Kühe erstmals auf die Weide getrieben wurden, melkte man die Milch durch einen Kranz aus Gundelrebe und gab den Tieren Gundelrebe zu fressen, damit Milch und Kuh gesund blieben.

Als festliche und zugleich sommerlich duftende Dekoration eignen sich die langen Triebe der Gundelrebe auch heutzutage sehr gut. Dazu werden diese zu einem Kranz einfach ineinander geschlungen und in eine Wasserschale gelegt. So bleiben sie wunderbar frisch und wachsen sogar weiter.

Gundermann als Topfpflanze

Mit dieser Wuchsfreudigkeit kann man Gundermann- Ranken ebenso gut als Unterpflanzung bei Topfbäumchen nutzen oder in einem Blumentopf bzw. einer Blumenampel als natürliche Dekoration wachsen lassen, die zudem auch noch winterhart ist.

  

 

Monika Wurft, Schiltach

 

 

 

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